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Klassische Weihnachtsgedichte

Auf dieser Seite habe ich Ihnen eine Auswahl der schönsten klassischen (bekannte und unbekanntere) Weihnachtsgedichte aufgeschrieben. Besinnliche schöne Verse und kurze Sprüche. Sie eignen sich für Kinder und Erwachsene, für Weihnachtswünsche auf Karten, für Geschenke oder zum Vortragen. Schöne Weihnachtsgedichte und Weihnachtsreime für die festliche Zeit.

Es treibt der Wind im Winterwalde - Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weissen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Dichter)


Naturfoto Tanntenwald Lichtung Raureif und Text Es treibt der Wind im Winterwalde

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Oft in der stillen Nacht

Oft in der stillen Nacht,
Wenn zag der Atem geht
Und sichelblank der Mond
Am schwarzen Himmel steht,

Wenn alles ruhig ist
Und kein Begehren schreit,
Führt meine Seele mich
In Kindeslande weit.

Dann seh ich, wie ich schritt
Unfest mit Füssen klein,
Und seh mein Kindesaug
Und seh die Hände mein,

Und höre meinen Mund,
Wie lauter klar er sprach,
Und senke meinen Kopf
Und denk mein Leben nach:

Bist du, bist du allweg
Gegangen also rein,
Wie du gegangen bist
Auf Kindes Füssen klein?

Hast du, hast du allweg
Gesprochen also klar,
Wie einsten deines Munds
Lautleise Stimme war?

Sahst du, sahst du allweg
So klar ins Angesicht
Der Sonne, wie dereinst
Der Kindesaugen Licht?

Ich blicke, Sichel, auf
Zu deiner weissen Pracht;
Tief, tief bin ich betrübt
Oft in der stillen Nacht.

(Otto Julius Bierbaum, 1865-1910, deutscher Schriftsteller, Journalist)

Christkind im Walde

Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil'ge Kind erschien,
fing's an, im Winterwald zu blühn.

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
"Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!"

Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet's Äpfel ringsumher;
Christkindlein's Taschen wurden schwer.

Die süßen Früchte alle nahm's,
und so zu den Menschen kam's.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!

(Ernst von Wildenbruch, 1845-1909, deutscher Schriftsteller)

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.

(Autor unbekannt, mündlich überliefert)


Brennende Kerze mit Keksen und Text Advent Advent ein Lichtlein brennt

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Die Zeit ist nah

Ein Gloria singend geht die Winternacht
durch Schneegefilde; keines Sternbilds Pracht
schaut aus den schwarzverhüllten Himmeln nieder, –
durch eisbereifte Fenster aber bricht
ins Strassendunkel eine Flut von Licht
und eine Woge kindhaft süsser Lieder.

In Bethlems Tälern nicht, – nicht weltenfern
und himmelhoch glänzt heut der Weihnacht Stern,
nach dessen Strahl die Brust sich sehnend weitet:
die Zeit ist nah, wo licht und hüllenlos,
wo neugeboren aus der Menschheit Schoss
die Liebe durch des Elends Nächte schreitet.

Die Zeit ist nah, wo jede Klage schweigt,
wo jedem Flehn ein menschlich Herz sich neigt,
Das Bruder heisst den Irrenden und Armen, –
wo sich der Keim aus brauner Scholle drängt
und Licht und Wärme als sein Recht empfängt
und nicht als Bettelgabe – aus Erbarmen!

Die Zeit ist nah: schon blüht ein bleiches Rot
im Osten auf, – schon zuckt in heisser Not
ein letztes Wehe durch der Menschheit Glieder;
sie ruft und ringt – der Dämmerung Schleier fällt:
erlösungsfreudig steigt zur dunklen Welt
das Himmelskind, die goldne Liebe, nieder.

(Clara Müller-Jahnke, 1860-1905, deutsche Dichterin, Journalistin)



Weihnacht

Wenn in des Jahres Lauf, dem allzeit gleichen,
auf leisen Schwingen sich die Christnacht naht,
wenn Erd' und Himmel sich die Hände reichen,
dann schau'n wir dich, du grösste Liebestat.

Du Heiland Jesus, kamst aus lichten Höhen,
wie unser Bruder tratst Du bei uns ein,
wir haben deine Herrlichkeit gesehen,
und deinen Wandel, fleckenlos und rein.

Verlorne Kinder knien an deiner Krippe,
von jener ersten Weihnacht an bis heut,
es klingt von armer Sünder Herz und Lippe
ein jubelnd "Halleluja!" weit und breit.

Tritt ein, du Spender aller Seligkeiten
in unser Herz und Haus, in Volk und Land,
hilf, dass wir glaubend Dir den Weg bereiten,
und mit Dir wandern liebend Hand in Hand.

Gib, dass wir hoffend in die Ferne blicken,
auf Dich allein, dem wir zu eigen ganz:
kein irdisch Ding soll uns das Ziel verrücken,
bis wir Dich schaun in deines Reiches Glanz.

(Hans Brüggemann, 1480-1540, deutscher Bildhauer)



Christbescherung

Der Christnacht heilig’ Offenbaren,
Das einst an alles Volk erging,
Die Kunde, die durch Engelscharen
Zuerst das arme Volk empfing:

»Die Liebe ist zur Welt gekommen,
Um einen neuen Bund zu weihn,
Ein reines Licht ist hell entglommen
Ein Stern mit wunderreichem Schein!« -

Die Kunde klingt aufs neue wieder
Zu uns in jeder Weihnachtszeit
Sie tönt durch alle Festeslieder
In jedem Gruß von nah und weit.

»Die Liebe soll die Welt regieren!«
Das ist die Losung allerwärts,
Die Lichter, die den Christbaum zieren
Wie strahlen sie in jedes Herz;

Und all die Gaben, lichtumschwommen,
Für jung und alt, für groß und klein:
Vom Himmel scheinen sie gekommen
In einer Wundernacht zu sein! -

Doch all das Wunder zu vollenden,
Viel Sorgen gab es Tag und Nacht.
Viel Mühen von geschäft'gen Händen,
Viel Opfer freudig dargebracht.

Die Liebe soll die Welt regieren,
Und Weihnacht zeigt, dass sie's vermag,
Doch höhres Ziel muss sie sich küren,
Als schaffen nur für einen Tag,

Der eine Tag soll allen lehren;
Solch Mühn und Opfern wohl uns ziert,
Die wir das Wort der Weihnacht ehren:
Dass Liebe nur die Welt regiert -

Auch Völkerwünsche sich erfüllen
Nicht durch das Wunder einer Nacht,
Drum mühe jeder sich im stillen
Bis einst das Liebeswerk vollbracht;

Bis dass im ganzen Vaterlande
Der Freiheit Christbaum leuchtend glüht -
Solch Wunder kommt gewiss zu Stande
Wenn alles Volk darum sich müht.

(Louise Otto, 1819-1895, deutsche Schriftstellerin)

Knecht Ruprecht

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:

„Knecht Ruprecht“, rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!

Ich sprach: „O lieber Herr Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ -

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“

Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“ -

„Hast denn die Rute auch bei dir?“

Ich sprach: „Die Rute, die ist hier:
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil den rechten.“

Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find’!
Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

(Theodor Storm, 1817-1888, deutscher Schriftsteller)

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Wo die Zweige

Wo die Zweige am dichtesten hangen,
die Wege am tiefsten verschneit,
da ist um die Dämmerzeit
im Walde das Christkind gegangen.

Es musste sich wacker plagen,
denn einen riesigen Sack
hat's meilenweit huckepack
auf den schmächtigen Schultern getragen.

Zwei spielende Häschen sassen
geduckt am schneeigen Rain.
Die traf solch blendender Schein,
dass sie das Spielen vergassen.

Doch das Eichhorn hob schnuppernd die Ohren
und suchte die halbe Nacht,
ob das Christkind von all seiner Pracht
nicht ein einziges Nüsschen verloren.

(Anna Ritter, 1865-1921, deutsche Dichterin, Schriftstellerin)



Von guten Mächten wunderbar geborgen

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer, 1906-1945, deutscher lutherischer Theologe)

> das ganze Gedicht Von guten Mächten treu und still umgeben

Bäume leuchtend

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süsse spendend.
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret.
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und Her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir's begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Von dir glänzten allzusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832, deutscher Dichter)

Morgen kommt der Weihnachtsmann

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn' und Säbel, und noch mehr,
Ja, ein ganzes Kriegsheer
Möcht' ich gerne haben!

Bring' uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring' auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Pantherthier,
Ross und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge!

Doch du weisst ja unsern Wunsch,
Kennst ja unsre Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Grosspapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874)

Es gibt so wunderweisse Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
Drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert manchen Stern so lind,
Als ob er fromme Hirten brächte
Zu einem neuem Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
Bestreut, erscheinen Flur und Flut,
Und in die Herzen, traumgemut,
Steigt ein kapellenloser Glaube,
Der leise seine Wunder tut.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Dichter)



Der Weihnachtsbaum

Von allen den Bäumen jung und alt,
Von allen den Bäumen gross und klein,
Von allen in unserm ganzen Wald,
Was mag doch der allerschönste sein?
Der schönste von allen weit und breit
Das ist doch allein, wer zweifelt dran?
Der Baum, der da grünet allezeit,
Den heute mir bringt der Weihnachtsmann. -

Wenn Alles schon schläft in stiller Nacht,
Dann holet er ihn bei Sternenschein
Und schlüpfet, eh' einer sich's gedacht,
Gar heimlich damit ins Haus hinein.
Dann schmückt er mit Lichtern jeden Zweig,
Hängt Kuchen und Nüss' und Äpfel dran:
So macht er uns Alle freudenreich,
Der liebe, der gute Weihnachtsmann.

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874, deutscher Dichter)

Christbaumfeier

Piano, Geige: Hupf mein Mädel (forte),
Im Christbaum zucken gelblich ein paar Lichter,
Und an die Rampe tritt Kommis und Dichter
Und stottert stockend tannendufte Worte.
Man trampelt: "Bravo, Bravo" mit den Füssen
Und prostet mit den Krügen nach dem Helden,
Indem sich schon zwei weisse Fräuleins melden,
Mit "Stille Nacht" die Menge zu begrüssen.
Man säuft, man schreit, man giert und man verlost
Die Lebenslust - Rosa, unwiderstehlich,
Bringt lächelnd ihrem Buben bei (allmählich),
Dass er mich Papa ruft. - Na danke. Prost.

(Klabund /Alfred Henschke, 1890-1928, deutscher Schriftsteller)

> Heiliger Abend Gedichte

Weihnacht

Nun ist das Fest der Weihnacht,
das Fest, das alle glücklich macht,
wo sich mit reichen Festgeschenken
Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,
wo aller Hader wird vergessen
beim Christbaum und beim Kaprfenessen; -
und Gross und Klein und Arm und Reich, -
an diesem Tag ist alles gleich.
So steht's in vielerlei Varianten
in deutschen Blättern. Alten Tanten
und Wickelkindern rollt die Zähre
ins Taschentuch ob dieser Märe.
Papa liest's der Familie vor,
und alle lauschen und sind Ohr ...
Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt
ein armer Kerl gelesen hat.
Er hob es auf aus einer Pfütze,
dass es ihm hinterm Zaune nütze.

(Erich Mühsam, 1878-1934, deutscher Autor und Publizist)

Lieber guter Weihnachtsmann

Lieber, guter Weihnachtsmann,
zieh die langen Stiefel an,
kämme deinen weißen Bart,
mach‘ dich auf die Weihnachtsfahrt.

Komm‘ doch auch in unser Haus,
packe die Geschenke aus.
Ach, erst das Sprüchlein wolltest du?
Ja, ich kann es, hör mal zu:

Lieber, guter Weihnachtsmann,
guck mich nicht so böse an.
Stecke deine Rute ein,
will auch immer artig sein!

(Autor/in unbekannt)



Christgeschenk

Mein süßes Liebchen! Hier in Schachtelwänden
gar mannigfalt geformte Süßigkeiten.
Die Früchte sind es heilger Weihnachtszeiten,
gebackne nur, den Kindern auszuspenden!

Dir möchte ich dann mit süßem Redewenden
poetisch Zuckerbrot zum Fest bereiten;
allein was soll's mit solchen Eitelkeiten?
Weg den Versuch, mit Schmeichelei zu blenden!

Doch gibt es noch ein Süßes, das vom Innern
zum Innern spricht, genießbar in der Ferne,
das kann nur bis zu dir hinüber wehen.

Und fühlst du dann ein freundliches Erinnern,
als blinkten froh dir wohlbekannte Sterne,
wirst du die kleinste Gabe nicht verschmähen.

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832, deutscher Dichter)

Die Liebe will immer Weihnachten feiern

Nur die Liebe vermag den Wandel
vom Dunkelsein zur Lichtwerdung zu vollbringen.
Die Liebe will immer Weihnachten feiern,
will anzünden und angezündet werden,
beschenken und behangen werden
mit bunterlei Sternen.
Störe die Weihnacht nicht - über sie leuchtet
der Engel der Liebe ...

Trenne Liebende nicht -
über sie leuchtet der Stern der Weihnacht.
Es erlöschen so bald die Lichte der liebenden Herzen,
sie werden - wie vom Wehen - über Nacht ausgeblasen.

Die Liebe ist der holde Baum der Weihnacht;
er ist - in Wahrheit nicht käuflich noch umzupflanzen.
Er ist unser aller Liebesgut.
Immer neigt er seine strahlenden Zweige -
uns Liebe zu pflücken.
Sein leuchtendes Ebenbild zu werden,
möchte ich mir wohl wünschen,
immer wieder aufzuerstehen.

(Else Lasker-Schüler, 1869-1945, deutsche Dichterin)

Die Nacht vor dem Heiligen Abend

Die Nacht vor dem Heiligen Abend,
Da liegen die Kinder im Traum;
Sie träumen von schönen Sachen
Und von dem Weihnachtsbaum.

Und während sie schlafen und träumen,
Wird es am Himmel klar,
Und durch den Himmel fliegen,
Drei Engel wunderbar.

Sie tragen ein holdes Kindlein,
Das ist der Heilge Christ;
Er ist so fromm und freundlich,
Wie keins auf Erden ist.

Und wie es druch den Himmel
Still über die Häuser fliegt,
Schaut es in jedes Bettchen,
Wo nur ein Kindlein liegt.

Und freut sich über alle,
Die fromm und freundlich sind;
Denn solche liebt von Herzen,
Das liebe Himmelskind.

Wird sie auch reich bedenken
Mit Lust aufs allerbest,
Und wird es schön beschenken
Zum lieben Weihnachtsfest.

Heut schlafen schon die Kinder
Und sehn es nur im Traum,
Doch morgen tanzen und springen
Sie um den Weihnachtsbaum.

(Robert Reinick, 1805-1934, deutscher Maler und Dichter)

Markt und Strassen stehn verlassen

Markt und Strassen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

(Joseph von Eichendorff, 1788-1857, Lyriker und Schriftsteller)

Alles still!

Alles still!  Es tanzt den Reigen 
Mondenstrahl in Wald und Flur, 
Und darüber thront das Schweigen 
Und der Winterhimmel nur. 
     
Alles still! Vergeblich lauschet 
Man der Krähe heisrem Schrei. 
Keiner Fichte Wipfel rauschet, 
Und kein Bächlein summt vorbei. 
     
Alles still! Die Dorfeshütten 
Sind wie Gräber anzusehn, 
Die, von Schnee bedeckt, inmitten 
Eines weiten Friedhofs stehn. 
     
Alles still! Nichts hör ich klopfen 
Als mein Herze durch die Nacht - 
Heiße Tränen niedertropfen 
Auf die kalte Winterpracht.

(Theodor Fontane, 1819-1898, deutscher Schriftsteller, Journalist)

Weihnachten wird es für die Welt

Weihnachten wird es für die Welt!
Mir aber - ist mein Lenz bestellt,
Mir ging in solcher Jahresnacht
Einst leuchtend auf der Liebe Pracht!
Und an der Kindheit Weihnachtsbaum
Stand Englein gleich der erste Traum!
Und aus dem eiskrystall'nen Schooß
Rang sich die erste Blüte los -
Seitdem schau' ich nun jedes Jahr
Nicht was noch ist - nur was einst war!

(Adele Schopenhauer, 1797-1849, deutsche Schriftstellerin)



Bürgerliches Weihnachtsidyll

Was bringt der Weihnachtsmann Emilien?
Ein Strauss von Rosmarin und Lilien.
Sie geht so fleissig auf den Strich.
O Tochter Zions, freue dich!

Doch sieh, was wird sie bleich wie Flieder?
Vom Himmel hoch, da komm ich nieder.
Die Mutter wandelt wie im Traum.
O Tannenbaum! O Tannenbaum!

O Kind, was hast du da gemacht?
Stille Nacht, heilige Nacht.
Leis hat sie ihr ins Ohr gesungen:
Mama, es ist ein Reis entsprungen!
Papa haut ihr die Fresse breit.
O du selige Weihnachtszeit!

(Klabund /Alfred Henschke, 1890-1928, deutscher Schriftsteller)

Christabend

Christabend war’s. Ich träume durch die Gassen,
vom Weihnachtsglanz mein Herz durchglüh’n zu lassen.
Mein Herz war fromm, als ob durch jede Flocke
das Bluten einer wunden Seele stockt.

"Frieden auf Erden und den Menschen allen
Glückseligkeit und stilles Wohlgefallen!"
Da, wie ich ging, zerstörte meine Träume
ein Haufen unverkaufter Weihnachtsbäume.

Sie lagen auf dem Pflaster da, vergessen
und schneebedeckt, als wär ihr Grün vermessen,
als schämten sie sich ihrer hellen Farben,
die doch so gern, um heut zu leuchten, starben.

Gleich einer Gauklerschar, im Wald erfroren,
die tief im Schnee den Weg ins Dorf verloren,
so lagen sie und sah’n aus ihrem Dunkel
rings in den Fenstern strahlendes Gefunkel.

Sie lagen da wie unerfülltes Sehnen,
erträumter Schimmer, ausgelöscht durch Tränen,
wie Leid, das wirr um die Erlösung betet,
wie Kinderjauchzen, das der Hunger tötet.

Sie lagen da, verschüchtert und verbittert,
vom Frost des Elends bis in Mark durchzittert,
den Glanz verfluchend, gleich Millionen Seelen,
in denen heut die Friedenslichter fehlen.

(Hugo Salus, 1866 – 1929, tschechischer Schrifsteller)

Der Seelchenbaum

Weit draussen, einsam im öden Raum
steht ein uralter Weidenbaum
noch aus den Heidenzeiten wohl,
verknorrt und verrunzelt, gespalten und hohl.
Keiner schneidet ihn, keiner wagt
vorüberzugehn, wenn's nicht mehr tagt,
kein Vogel singt ihm im dürren Geäst,
raschelnd nur spukt drin der Ost und West;
doch wenn am Abend die Schatten düstern,
hörst du's wie Sumsen darin und Flüstern.

Und nahst du der Weide um Mitternacht,
du siehst sie von grauen Kindlein bewacht:
Auf allen Ästen hocken sie dicht,
lispeln und wispeln und rühren sich nicht.
Das sind die Seelchen, die weit und breit
sterben gemusst, eh' die Tauf' sie geweiht:
Im Särglein liegt die kleine Leich',
nicht darf das Seelchen ins Himmelreich.
Und immer neue, – siehst es du? –
in leisem Fluge huschen dazu.

Da sitzen sie nun das ganze Jahr
wie eine verschlafene Käuzchenschar.
Doch Weihnachts, wenn der Schnee rings liegt
und über die Länder das Christkind fliegt,
dann regt sich's, pludert sich's, plaudert, lacht,
ei, sind unsre Käuzlein da aufgewacht!
Sie lugen aus, wer sieht was, wer?
Ja freilich kommt das Christkind her!

Mit seinem helllichten Himmelsschein
fliegt's mitten zwischen sie hinein:
"Ihr kleines Volk, nun bin ich da –
glaubt ihr an mich?" Sie rufen: "Ja!"
Da nickt's mit seinem lieben Gesicht
und herzt die Armen und ziert sich nicht.
Dann klatscht's in die Hände, schlingt den Arm
ums nächste – aufwärts schwirrt der Schwarm
ihm nach und hoch ob Wald und Wies'
ganz graden Weges ins Paradies.

(Ferdinand Avenarius, 1856-1923, deutscher Dichter)

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab' in den Weihnachtstagen
Ich weiß auch warum -
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abends noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsensuppe mit Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat's an die Türe gepocht,

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachtslieder!
Ich aber rief nicht: "Herein!"

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Satiriker)



Seht ihr sie dort auf den verschneiten Dächern

Seht ihr sie dort auf den verschneiten Dächern,
Die biedern Krähen in den ernsten Fräcken,
Wie sie entrüstet diesen kleinen Gecken,
Den Spatzen drohen, diesen täglich frechern?

Nicht jeder Zeit demütigt Stolz den Schwächern,
Nicht immer glückt’s, durch Grossmut Scham zu wecken,
Besonders aber, gibt es was zu schmecken,
So leidet der Gerechte von den Schächern!

Wohl gab Natur zu höchsten Sangesehren
Den Würdgen dort die schönsten Liederkehlen,
Doch frei von Ruhmsucht waren ihre Seelen –
Nun brauchen sie den Sängermund, den hehren,
Wie heut geziemt dem weltgewandten Weisen,
Den Neid zu strafen und das Fleisch zu speisen.

(Ferdinand Avenarius, 1856-1923, deutscher Dichter)

Die heiligen drei Könige

Aus fernen Landen kommen wir gezogen;
Nach Weisheit strebten wir seit langen Jahren,
Doch wandern wir in unsern Silberhaaren.
Ein schöner Stern ist vor uns hergeflogen.

Nun steht er winkend still am Himmelsbogen:
Den Fürsten Juda's muss dies Haus bewahren.
Was hast du, kleines Bethlehem, erfahren?
Dir ist der Herr vor allen hochgewogen.

Holdselig Kind, lass auf den Knie'n dich grüßen!
Womit die Sonne unsre Heimat segnet,
Das bringen wir, obschon geringe Gaben.

Gold, Weihrauch, Myrrhen, liegen dir zu Füßen;
Die Weisheit ist uns sichtbarlich begegnet,
Willst du uns nur mit Einem Blicke laben.

(August Wilhelm Schlegel, 1767-1845, deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer)

Danklied

Frisch auf, mein Herz! und werde Klang!
Und Seele, werde Lied!
Und Freude töne Lobgesang,
Der mir im Busen blüht!
Denn er, der alle Himmel rollt
Und zählt das Sternenheer,
Denn Gott, der Vater fromm und hold,
Verlässt mich nimmermehr.

Ich lag umhüllt mit Finsternis,
Die aus der Hölle kam,
Und durch die tiefste Seele riss
Mit Tigerklaun der Gram,
Gebrochen war mir alle Kraft,
Erloschen aller Mut,
Da rief ich dem, der alles schafft:
Mach's Vater, mach es gut!

Und plötzlich ward die Nacht zum Licht,
Zur Wonne ward das Leid,
Und wieder schaut' ich aufgericht't
Des Lebens Herrlichkeit,
Den blauen lichten Sonnenraum,
Das bunte Blumenfeld –
Da war mein Jammer nur ein Traum,
Die Welt die beste Welt.

Drum dank ich dem, der Wunder thut
Und Güte für und für,
Es rieselt jeder Tropfen Blut
Den Lobgesang in mir,
Es wird ein jeder Blick ein Strahl,
Der auf gen Himmel dringt,
Wo tausend tausend tausendmal
Das Heilig! Heilig! klingt.

Denn wie die Kindlein in dem Schoss
Die treue Mutter hegt,
Lässt seine Treue nimmer los,
Die alles selig trägt,
Und seine Liebe lockt so süss,
Was Liebe mag verstehn,
Dass wir zu ihm ins Paradies
Der Lust und Unschuld gehn.

(Ernst Moritz Arndt, 1769-1860, deutscher Schriftsteller)

Dankessprüche

Du musst die Sterblichkeit bezahlen
Das präge früh und ganz dir ein,
Und dass Gott rechnet nicht mit Zahlen,
Dass vor ihm nichts ist gross und klein.
Das tröste dich bei kleinen Dingen
Und richte dich bei grossen auf.
Gott giebt den Wind, er gab die Schwingen,
Er gab den Fuss, er weist den Lauf.

Wer im Grossen siegen will
Sei im Kleinen fleissig,
Von Eins, Zwei kommt man zum Drei,
Von dem drei zum Dreissig.

Wer fest will, fest und unverrückt dasselbe,
Der sprengt vom festen Himmel das Gewölbe,
Dem müssen alle Geister sich verneigen
Und rufen: Komm, und nimm! Du nimmst dein eigen.

Triebe den Menschen nicht so viel Kleines
An vielen kleinen und kleinsten Tagen,
So viel Kleinstes in Mühen und Spielen,
Sagt mir, wie sollt' er sein Grösstes ertragen?

Vor Menschen ein Adler, vor Gott ein Wurm
So stehst du fest im Lebenssturm.
Nur wer vor Gott sich fühlet klein,
Kann vor den Menschen mächtig sein.

(Ernst Moritz Arndt, 1769-1860, deutscher Schriftsteller)

Hoffnung in Sehnsucht

Wann auf des Zweifels Oceane
Mein Schifflein treibt vor Sturm und Wind,
Wann jedem schönen Lügenwahne
Das bunte Farbenspiel zerrinnt,
Wann Hoffnung selbst nicht ankern kann,
Was ist mein sichres Anker dann?

Das bist du, Hort und Trost des Lebens,
Das bist du, Heiland Jesus Christ,
Der du der Tröster alles Lebens,
Der Stiller alles Haders bist,
Der Liebe Quell, der Gnade Born,
Der uns erlöst vom Sündenzorn.

Das bist du, blöder Herzen Wonne
Und kranker Seelen Zuversicht,
Du aller Sonnen hellste Sonne,
Du aller Lichter reinstes Licht,
Du aller Scheine schönster Schein,
Du Wort des Vaters klar und rein.

O Liebesabgrund, den ergründen
Auch keines Engels Senkel kann,
Daß wir doch immer recht verstünden,
Wodurch der Hölle Trug zerrann,
Wodurch der Gnade sel'ges Licht
Nun himmlisch durch die Herzen bricht!

Daß wir doch alle immer wüßten,
Wodurch wir Gottes Kinder sind,
Wodurch wir zu des Himmels Küsten
Hinsteuren vor dem rechten Wind,
Wodurch wir selbst in Düsterniß
Nicht zagen, unsrer Fahrt gewiß!

Das hilf du uns, daß wir's gewinnen,
Du süßer Heiland, Jesu Christ,
Der du den Herzen und den Sinnen
Allein die rechte Leuchte bist,
Die, wann auch Sonn' und Mond vergeht,
In wandelloser Klarheit steht.

(Ernst Moritz Arndt, 1769-1860, deutscher Schriftsteller)

Ständchen

Es leuchtet ein Licht durch die weite Welt,
Das schönste und hellste von allen,
Es ist nicht als Sonne zum Tag bestellt,
Nicht als Mond die Nacht zu durchstralen,
Blaß werden die Sternlein, die Kleinen,
Vor seinem allmächtigen Scheinen.

Es dringet wie Blitze durch Eisen und Stal,
Kein Panzer mag fest vor ihm stehen,
Doch dränget sich jeder zum fährlichen Stral,
Und sollt' er zur Stunde vergehen.
O scheine, du süßes Verderben!
Wie lieblich, in Flammen zu sterben!

Geh auf denn, mein Licht! Geh wieder zur Ruh!
Ich darf dich, du schönstes, nicht nennen;
Doch strömet mein Herze wie Wasser dir zu,
Heiß fühl' ich es lodern und brennen!
Auf! lasset es schmettern und klingen!
Es will mich die Wehmuth bezwingen.

(Ernst Moritz Arndt, 1769-1860, deutscher Schriftsteller)

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