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Wintervergnügen im Zimmer

Schönes Wintergedicht von Heinrich Brockes sowie weitere Gedichte des
deutschen Schriftstellers und Dichters.


Winter-Vergnügen im Zimmer

Wann draussen die erstarrte Welt,
Mit scharfem Frost, der dunkle Winter schrecket,
Wenn schroffes Eis das harte Feld,
Mit rauhen Schollen, drückt und decket,
Vergönnet mir des Schöpfers Güte,
Dass, mit Bequemlichkeit und ruhigem Gemüte,
Ich ein vergnüglich Feur, in meinem Zimmer,
Den wärmenden Kamin mit Lust erleuchten seh'.
Es steigt der regen Flammen Schimmer
Roth, gelb und weiss zugleich, hell-lodernd in die Höh;
Wovon durch jeden Sinn, der ihre Kraft verspüret,
Ich Freuden-voll erquickt werd' und gerühret.
Ich sehe die geteilten Spitzen,
Um für den scharfen Frost mich gleichsam zu beschützen,
Mit reger Emsigkeit sich aufwärts schwingen.
Ich fühle durch die starre Brust
Ein sanftes Wohl, und eine laue Lust
In meinen ganzen Körper dringen,
Und, was durch Kälte starr, erfrischen.
Ich hör' ein muntres Rauschen zischen,
Ein durch die schnelle Loh erregtes Schallen,
Mit oftmals unterbrochnem Knallen,
Der in dem Holz verschränkt- und schnell- befreiten Luft,
Wodurch, bald hier bald dort, gesprengte Funken fliegen.
Ich rieche den gesunden Duft
Der fetten Fichten mit Vergnügen.
Es schmeckt bei dieser Zeit das holde Kraut, der Tee,
Den ich in grüner Farb' in seinen Schälchen seh',
Den kalten Lippen wohl. Bald wärmt ein heisser Wein,
Voll süsser Säurlichkeit und Lust, Hand Mund und Mangen.
Man sieht mit Lust zu Tische tragen
Kastanien, die süsse Winterkost;
Und was der Anmut mehr, die auch im strengen Frost
Uns unser GOTT, der liebe Vater, schenket.

Die Kinder stehen auch, vergnüget durch den Schein,
Und halten gegen's Feur, von ihrer kalten Hand
Die kleinen Finger, ausgespannt;
Wobei sie sich denn sonderlich ergötzen,
Wenn sie, mit kindischem Gewühl,
Ein Äpfelchen ans Feur zu braten setzen.

Wenn ich sodann durchs Fenster seh',
Wie draussen alles voller Schnee,
Wie schwarz die Luft, wie scharf und kalt,
Und denke, wie bequem und gut der Aufenthalt,
Den mir des Schöpfers Güte gönnet;
So dank' ich Ihm mit Recht. Ich denk' auch öfters nach,
Wie wahr es sei, was jener sprach,
Von einer warmen Stub' in kalter Winters-Zeit:
Dass bloss ein Scheiben-Glas der Unterscheid,
Der gleichsam Africa von Nova Zembla trennet.

Gott gib dass, so von mir, als meiner kleinen Herde,
Dein' Allmacht, wie gefühlt, auch so erkennet werde!
Und lass uns doch davor, o Vater! Dir allein
In öfterer Betrachtung dankbar sein!

(Barthold Heinrich Brockes 1680-1747, deutscher Schriftsteller, Dichter)

Quelle: die vier Jahrszeiten, Reclam 1991




Mehr Gedichte von Heinrich Brockes
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Die Welt ist allezeit schön


Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.
Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.
Im Herbste sieht man als Opalen
Der Bäume bunte Blätter strahlen.
Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.
Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön.

(Barthold Heinrich Brockes 1680-1747, deutscher Schriftsteller, Dichter)




Kirschblüte bei der Nacht

Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
in kühler Nacht beim Mondenschein;
ich glaubt, es könne nichts von größerer Weiße sein.
Es schien, als wär ein Schnee gefallen;
ein jeder, auch der kleinste Ast,
trug gleichsam eine rechte Last
von zierlich weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
– indem daselbst des Mondes sanftes Licht
selbst durch die zarten Blätter bricht –
sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
was Weißres aufgefunden werden.
Indem ich nun bald hin, bald her
im Schatten dieses Baumes gehe,
sah ich von ungefähr
durch alle Blumen in die Höhe
und ward noch einen weißern Schein,
der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
fast halb darob erstaunt, gewahr.
Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
von einem hellen Stern ein weißes Licht,
das mir recht in die Seele strahlte.
Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergötze,
dacht ich, hat er dennoch weit größre Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.

(Barthold Heinrich Brockes 1680-1747, deutscher Schriftsteller, Dichter)







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