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An den Winter

Wintergedicht von Elisabeth Kulmann und weitere schöne Gedichte
zur dunklen Jahreszeit, sowie Bücher- und Geschenk-Tipps.


An den Winter

Willkommen, lieber Winter.
Willkommen hierzuland!
Wie reich du bist mit Perlen
Spielst du, als wär' es Sand!

Den Hof, des Gartens Wege
Hast du damit bestreut;
Sie an der Bäume Zweige
Zu Tausenden gereiht.

Dein Odem, lieber Winter,
Ist kälter, doch gesund;
Den Sturm nur halt' im Zaume,
Sonst macht er es zu bunt!

(Elisabeth Kulmann 1808-1825, deutsch-russische Dichterin)




Weiteres Wintergedicht von Kulmann
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Der Winter


Der glückliche Bewohner
Des gleichenlosen Quito,
Dem, eh' hier tausend Rosen
Verblühn, dort tausend andre
Die Blumenkelche öffnen
Dem jede Sonne neue
Und köstlichere Früchte
Zur Reife bringt im Schoosse
Der Erd', im Raum der Lüfte;
Dem jede Morgenröthe
Ein Heer von Schmetterlingen,
Mit zauberischen Farben
Geschmücket, ringsher sendet,
Und jede Abendröthe
Die festlichen Gesänge
Ertönen lässt von tausend
Tonreichen Nachtigallen;
Er wird des ew'gen Frühlings
Der Heimath manchmal müde.
O der Natur verwöhntes,
Und unzufriednes Schoosskind,
Weil sie dir alle Wünsche
Im Übermass erfüllet,
Könnt' ich, nur einen Tag lang,
In deiner Götterwiege
Mich freudetrunken schaukeln!
Und du, komm auf den Flügeln
Des Sturms, auf einen Tag nur,
An meines Vaterlandes
Dem Pole nahe Gränze!
Zur Mittagsstunde siehest
Du um dich her kaum Dämmrung.
Kein Laut von einem Vogel!
Kein Duft von einer Blume!
Kein Murmeln einer Quelle!
Kein Fusstritt eines Menschen!
Sechs Monde lang umkreis'te
Den Himmelsrand die Sonne,
Dann ging die Sonne unter,
Um nimmer aufzugehen,
Es stirbt hier selbst die Sonne.
Es schlummert alles Leben,
Wie Todte in dem Grabe,
Tief unter einer starren
Gränzlosen Eisesrinde.
Du bebest? Harr' ein Weilchen,
Und du wirst noch bewundern! ...
Siehst du im hohen Norden
Dies ungeheure, rege,
Stets klarer sich und klarer
Verbreitende Gewebe
Von rosigen und weißen
Und grünen Diamanten,
Gleich einem prunken Fächer,
Den halben Himmel decken?
Siehst du vom Horizonte,
Gleich einem reichen Saume
Von lichten Franzen, oder
Gleich einer Ähre Stacheln,
Belebte Strahlenbündel
In Menge sich erheben? ...
Warst du vielleicht, o Sonne,
Beherrscherin des Weltalls,
Es endlich müde, ewig
Im Osten auf- und ewig
Im Westen frohnweis unter
Zu gehn, ein Spott dir selber,
Und zaubertest mit einem
Allmächt'gen Winke Dämmrung
Und Morgenroth nach Norden,
Um den erstaunten Süden
Zum erstenmal am Abend
Mit Purpur zu umhängen? ...
Ja, glücklichere Kinder
Gemässigterer Zonen,
Es liess der Herr der Schöpfung
Auch uns, am Pol Geborne,
Nicht ohne manche Freude,
Um die ihr uns beneidet!

(Elisabeth Kulmann 1808-1825, deutsch-russische Dichterin)


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