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Lass dir, dass Kindheit war

Gedicht - Rainer Maria Rilke

Hier erhalten Sie ein schönes Gedicht von Rilke





Lass dir, dass Kindheit war, diese namenlose Treue der Himmlischen,
nicht widerrufen vom Schicksal ...



Gedicht von Rainer Maria Rilke

Lass dir, dass Kindheit war


Lass dir, daß Kindheit war, diese namenlose
Treue der Himmlischen, nicht widerrufen vom Schicksal,
selbst den Gefangenen noch, der finster im Kerker verdirbt,
hat sie heimlich versorgt bis ans Ende. Denn zeitlos
hält sie das Herz. Selbst den Kranken,
wenn er starrt und versteht, und schon gibt ihm das Zimmer nicht mehr
Antwort, weil es ein heilbares ist —, heilbar
liegen seine Dinge um ihn, die fiebernden, mit-krank,
aber noch heilbar, um den Verlorenen —: ihm selbst
fruchtet die Kindheit. Reinlich
in der verfallnen Natur hält sie ihr herzliches Beet.

Nicht, daß sie harmlos sei. Der behübschende Irrtum,
der sie verschürzt und berüscht, hat nur vergänglich getäuscht.
Nicht ist sie sichrer als wir und niemals geschonter;
keiner der Göttlichen wiegt ihr Gewicht auf. Schutzlos
ist sie wie wir, wie Tiere im Winter, schutzlos.
Schutzloser: denn sie erkennt die Verstecke nicht. Schutzlos,
so als wäre sie selber das Drohende. Schutzlos
wie ein Brand, wie ein Ries', wie ein Gift, wie was umgeht
nachts, im verdächtigen Haus, bei verriegelter Tür.

Denn wer begriffe nicht, daß die Hände der Hütung
lügen, die schützenden —, selber gefährdet. Wer darf denn?
Ich!
    — Welches Ich ?
          Ich, Mutter, ich darf. Ich war Vor-Welt.
Mir hats die Erde vertraut, wie sie's treibt mit dem Keim,
dass er heil sei. Abende, o, des Vertrauens, wir regneten beide,
still und aprilen, die Erde und ich, in den Schoss uns.
Männlicher! ach, wer beweist dir die trächtige Eintracht,
die wir uns fühlten. Dir wird die Stille im Weltall
niemals verkündet, wie sie sich schliesst um ein Wachstum. —
Grossmut der Mütter. Stimme der Stillenden. Dennoch!
Was du da nennst, das ist die Gefahr,die ganze
reine Gefährdung der Welt —, und so schlägt sie in Schutz um,
wie du sie völlig erfühlst. Das innige Kindsein
steht wie die Mitte in ihr. Sie aus-fürchtend, furchtlos.
Aber die Angst! Sie erlernt sich auf einmal im Abschluss,
den das Menschliche schafft, das undichte. Zugluft,
zuckt sie herein durch die Fugen. Da ist sie. Vom Rücken
huscht sie es an überm Spielen, das Kind, und zischelt
Zwietracht ins Blut —, die raschen Verdachte, es würde
immer ein Teil nur, später, ergreiflich sein, immer
irgendein Stück, fünf Stücke, nicht einmal
alle verbindbar, des Daseins, und alle zerbrechlich.
Und schon spaltet sie an, im Rückgrat, des Willens
Gerte, dass sie gegabelt, ein zweifelnder Ast am
Judas-Baume der Auswahl, wachsend verholze.

(Rainer Maria Rilke, deutscher Lyriker, 1875-1926, letzte Gedichte)



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