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Schöne und kurze, besinnliche und lustige Gedichte für Silvester und Neujahr, von modern bis klassisch, sowie Bildersprüche.

Das Jahr läuft ab

Das Jahr läuft ab
Es rieselt in sein Grab
Haltend geht der Blick zurück
Es war so gross, so voller Glück.

Das Jahr läuft ab
Lebendige Zeit zerrinnt
Steht still -
Von Neuem alles beginnt.

(© Monika Minder)

Da wir ferne voneinander sind

Da wir ferne voneinander sind,
Will ich dir die Sterne alle schenken,
Will sie durch den hohen Himmel senken,
Bis sie deine Seele finden, Kind ...

Da wir ferne voneinander sind,
Will ich dir die Nacht vom Himmel bitten,
Alle Schmerzen, die um mich gelitten,
Darfst du flüsternd ihr vertrauen, Kind ...

Da wir ferne voneinander sind,
Will ich auf zum milden Monde weinen;
Er mag dir durch meine Tränen scheinen,
Bis wir einst uns wiederfinden, Kind ...

(Reinhard Johannes Sorge, 1892-1916, deutscher Schriftsteller)

Was immer gelöscht wird

Was immer gelöscht wird,
wenn ein neues Jahr sich entzündet,
formt der Himmel auf Erden.
Doch leise blüht es sich durch die Zeit
bis zum nächsten Winter.

(© Monika Minder)


Äste mit Schnee

© Bild Monika Minder, darf für private Zwecke (Karten, Mails) gratis genutzt werden.

Bild-Text

Lass deine Träume in die Welt fallen,
sie braucht jeden einzelnen.

(© Monika Minder)

Bald bricht ein neues Jahr heran

Bald bricht ein neues Jahr heran
Wie Himmel ist in dir und Höllenqual.
Die Kirchturmglocke schlägt sich wund,
Nun ist das alte Jahr für immer um.

(© Monika Minder)

Die Stunde dazwischen

Es bleibt noch eine kleine Zeit
Um alles umzudrehn.
In dieser klitzekleinen Welt
Einen neuen Weg zu gehn.

Es ist die Stunde da
Diese kostbare kleine Zeit
Zwischen gestern und noch nicht da
Hält sie den Glanz des Neuen bereit.

(© Monika Minder)

Das alte Jahr kann kaum sich noch gedulden

Das alte Jahr kann kaum sich noch gedulden,
Es weicht und weicht und zieht an seinen Schulden.
Zum letzten Mal geniesst in dieser Runde
Es schleicht sich hin zur letzten Stunde.

(© Monika Minder)

Wir atmen noch eine Weile

Wir atmen noch eine Weile
denken zurück
Das Neue hat noch keine Eile
Vertrauen ist doch Glück.

Wo Freude ist, ist Leiden
Das alte Jahr geht hin
Nichts kann für immer bleiben
Hier und heut ich bin.

(© Monika Minder)

In des Jahres Zwischenstunden

In des Jahres Zwischenstunden lästernd,
nimmt die Zeit dich an der Hand.
Führt dich sanft aus dem vertrauten Gestern
in ein neues, altes Land.

(© Monika Minder)

Was auch immer kommen mag

Was auch immer kommen mag,
das fassen wir in Worte nicht.
Es kümmert nicht den neuen Tag,
doch Hoffnung liegt in jedem Licht.

(© Monika Minder)

Ein Zauber liegt noch in der Luft

Ein Zauber liegt noch in der Luft
Geheimnisvoll schiebt sich die Zeit zur Gruft.
Und wenn auch nur das Liebste dir ein Danke
über diese Schwelle ruft,
So bist du doch ein Teil vom Ganzen,
Das nach dem einen Grossen sucht.

(© Monika Minder)

Lieblich glänzen Abendsterne

Lieblich glänzen Abendsterne, -
Der letzte Tag im Jahr neigt sich zur Ruh,
Lächelnd und aus weiter Ferne
schickt er einen Gruss zur guten Nacht dir zu.

(© Monika Minder)

Schön ist es miteinander zu schweigen

Schön ist es miteinander zu schweigen,
Der einen Nacht entgegen zu schwelgen, -
Unter seidenem Himmel zu wachen
Mit Freunden zu lachen
In Gedankenflügen
Sich genügen
Für ein paar Atemzüge.

(© Monika Minder)

Das Jahr war gross

Das Jahr war gross, die Silvesternacht kurz,
Man bangt doch heut' um jeden Furz.
Am liebsten nur noch Augen zu und durch,
Im Nacken sitzt die grosse Furcht.

Könnte man das Jahr doch selber machen,
Man würde sicher viel mehr lachen.
Der Verantwortung nicht immer entweichen
Und öfter mal die Seele streicheln.

(© Monika Minder)

Wie lieblich

Wie lieblich der kristallene Silvesterabend brennt.
Hinter frostigen Scheiben ein Instrument erklingt.
Sehnsüchtige wiegen sich im Rausche,
Andere schweben fremd und lauschen.

(© Monika Minder)

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Gebet

Vater im Himmel

Vater im Himmel! wende nicht länger Dein Antlitz von mir, laß es aufs neue leuchten für mich, so daß ich Deine Wege gehe und nicht mehr und mehr mich verirre weit weg von Dir, wo Deine Stimme mich nicht mehr erreichen könnte. Oh, laß Deine Stimme ertönen für mich, gehört werden von mir, wenn sie auch schreckend mich einholen muß auf meinen irren Wegen, wo ich als krank und beschmutzt im Geist abseits lebe und einsam, fern der Gemeinschaft mit Dir und der Gemeinschaft mit Menschen. Du Herr Jesus Christus, Du, der in die Welt kam, um den Verlorenen zu retten, Du, der die neunundneunzig Schafe ließ, um das eine verirrte zu suchen, suche mich auf den Abwegen meiner Verirrungen, wo ich mich verberge vor Dir und vor Menschen, Du, der gute Hirte, laß mich Deine Stimme hören, laß mich sie erkennen, laß mich ihr folgen! Du Heiliger Geist, tritt Du auch vor mich mit unaussprechlichem Seufzer, bete für mich wie Abraham für das verderbte Sodom, wenn da bloß ein reiner Gedanke, ein besseres Gefühl in mir ist, daß doch die Zeit der Prüfung verlängert werden möge für den unfruchtbaren Baum, Du würdiger Heiliger Geist, Du, der Du die Ausgestorbenen wiedergebierst und den Alten verjüngst, erneuere Du auch mich und schaff in mir ein neues Herz, Du, der mit Mutterfürsorge alles umfriedet, in dem noch ein Funken von Leben ist. Oh, bewahre Du auch mich fester geknüpft an Ihn, meinen Heiland und Erlöser, daß ich geheilt nicht vergessen möge wie jene neun Aussätzigen, umzukehren, wie der eine Aussätzige zurück zu Ihm, der mir das Leben gegeben hat, in dem allein Seligkeit zu finden ist, ja heilige Du mein Tun und mein Denken, so daß erkannt werden möge, daß ich Sein Leibeigener bin jetzt und in alle Ewigkeit.

(Sören Kierkegaard 1813-1855, dänischer Philosoph)

Bekannte und klassische Silvestergedichte

Ein neues Jahr tritt froh herein

Ein neues Jahr tritt froh herein,
mit aller Welt in Frieden;
vergiss wieviel der Plag und Pein
das alte Jahr beschieden!
Du lebst: sei dankbar, froh und klug,
und wenn drei bösen Tagen
ein guter folgt, sei stark genug,
sie alle vier zu tragen.

(Friedrich Wilhelm Weber 1813-1894, deutscher Dichter, Arzt, Politiker)

Und wieder hier draussen ein neues Jahr

Und wieder hier draussen ein neues Jahr,
Was werden die Tage bringen?
Wirds werden, wie es immer war,
halb scheitern, halb gelingen?

Wirds fördern das, worauf ich gebaut,
oder vollends es verderben?
Gleichviel, was es im Kessel braut,
Nur wünsch' ich nicht zu sterben.

Ich möchte noch wieder im Vaterland
die Gläser klingen lassen
und wieder noch des Freundes Hand
im Einverständnis fassen.

Ich möchte noch wirken und schaffen und tun
und atmen eine Weile,
denn um im Grabe auszuruhn,
hat's nimmer Not und Eile.

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
rücklässt einen leuchtenden Funken
und nicht vergeht wie die Flamm im Kamin,
die eben zu Asche gesunken.

(Theodor Fontane, 1819-1898, deutscher Schriftsteller)

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer, 1906-1945, deutscher lutherischer Theologe)

Letzte Strophe des Gedichtes "Von guten Mächten still und treu getragen.

> das ganze Gedicht von guten Mächten still und treu getragen mit Gedanken

Neujahrslied

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zu Zeiten.
Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose.
Schon gemischt, noch e wir's bitten,
ist für Throne und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.
War's nicht so im alten Jahr?
Wird's im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder
und kein Mensch wird's wenden.
Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage,
jedem auf dem Lebenspfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite!

(Johann Peter Hebel, 1760-1826, deutscher Dichter)



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