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Die Herbstzeitlose

Schönes Herbstgedicht von Emerenz Meier, sowie weitere Lyrik über Abschied und Liebe von der deutschen Schriftstellerin.

Die Herbstzeitlose

Einst brachte unser'n Planeten
Die Eiszeit in grosse Not,
Es ging alles Leben flöten,
Jahrtausende lang blieb's tot.

Dann sandte der Herr den Frühling
Erbarmungsvoll hinab,
Er sollte das Leben wecken
Aus tausendjährigem Grab.

Der schlug mit Himmelskräften
Die Gletscher auf das Haupt
Und machte grün die Gebirge
Und alles neu belaubt.

Er schlug mit dem Stab die Erde
Und hiess die Blumen erstehn,
Die vor der Eiszeit waren,
Dieweilen er zählte zehn.

Da kamen sie aufgeschossen
Viel Hunderte an der Zahl
Und wuchsen zu Millionen
In Au und Wald und Tal.

Und nochmals schlug er die Erde
Und mahnend war sein Ruf:
"Es fehlt noch eine von allen,
Die Gott, der Herr, erschuf!"

Da kam ein verdriesslich Murren
Aus tiefem Wiesengrund
Und dann ein spöttisches Lachen
Von elfenzartem Mund:

"Ich folge dir nicht, Herr Frühling,
Zu lange harrt' ich auf dich,
Die ganze schreckliche Eiszeit.
Jetzt warte du auf mich!"

Wohl schwang der Frühling sich klagend
Zu Gottes Thron empor,
Wohl schalt auch dieser die Blume,
Doch bleib sie taub wie zuvor.

Sie schloss in die dunkle Kammer
Der Erde sich trotzig ein,
Obwohl ihr Herzchen verlangte
Nach Licht und Sonnenschein.

Doch endlich nach vielen Monden, -
Sie hielt es nicht länger aus, -
Streckte sie neubegierig
Ihr kleines Köpfchen heraus.

"Was wohl der Frühling machet,
Und ob er noch schaut nach mir?- "
Da war er über die Berge
Mit aller Blumenzier.

Die Welt war kalt und neblig,
Es wehte ein rauher Wind,
Der sang gar traurige Lieder
Dem frierenden Elfenkind.

Von Frühlings zärtlicher Liebe,
Von Frühlings Sehnsucht und Leid,
Und von der Liebe Ende
Und der Blume Verächtlichkeit.

Er sang von dem zornigen Schwure,
Den jener Hehre getan:
"Nie mehr will ich sie sehen!
Sie blühe im Herbst fortan."

Da weinte sie bittre Tränen,
Ach Tränen ohne Trost,
Eisperlen auf die Wiese
Und starb in Schnee und Frost.

Wer kennt nicht die zarte Jungfer
Im Lilatrauergewand,
Die seitdem frierend blühet
Auf herbstlich verödetem Land!

(Emerenz Meier 1874-1928, deutsche Schriftstellerin)

Herbst

Es hat mir ein kühles Lüftchen
Kund vom Herbst gebracht,
Daß der träum'rische, nebelfeuchte
Kommen wird in der Nacht.

Es hat mir ein keckes Mädchen
Kichernd die Mär erzählt,
Daß mein treuloser ferner Bursche
Jüngst sich ein Lieb erwählt.

Der Herbst, der ist nun gekommen,
Nebel umziehn die Höh'n,
Der Wind will die letzten Blätter
Schnöde vom Baume weh'n.

Und von dem andern, dem falschen,
Stille - still will ich sein. -
Ich steh auf dem Feld im Regen,
Kalt bis ins Herz hinein.

(Emerenz Meier 1874-1928, deutsche Schriftstellerin)

Abschied

Im Hollerbusch ein Vöglein sang
So wundersüss und rein.
Ich horchte stille, horcht' ihm lang,
Da flog es querfeldein.

Mit andern zog es übers Meer
Dem Sommerlande zu.
Ich dachte mir: Was willst du mehr?
So scheide nun auch du.

Von Lieb und Glück hab' ich geträumt,
Es war ein schöner Traum.
Er währte, bis mit Gold umsäumt
Und rot ward Strauch und Baum.

Ade nun Leben, Liebe, Glück!
Ade, ich geh zur Ruh.
Schon fliegt die Seele, strebt der Blick
Dem Sommerlande zu.

(Emerenz Meier 1874-1928, deutsche Schriftstellerin)

Scheiden im Herbst

Der Sommer schied, die Au ward kahl
Und alles Schönen bar.
Nun reichst auch du mit einem Mal
Die Hand mir scheidend dar.

Hab' oft zum Troste mir gedacht:
Erstirbt die grüne Welt,
Ist's trotzdem immer noch nicht Nacht,
Solange er nicht fehlt.

Jetzt dunkelt es und zagend schau
Ich vorwärts und zurück:
Kein Blümlein mehr, kein Himmelblau,
Kein Hoffen und kein Glück.

Das harte Muss gönnt keine Frist,
Ich wünsche es nicht mehr.
Gott hilf mir, ach, im Herbste ist
Das Scheiden doppelt schwer.

(Emerenz Meier 1874-1928, deutsche Schriftstellerin)

Verlorene Jugend

Einst liebte ich Blumen und Vogelgesang,
Der Wasser Gebrause, der Weidglockenklang,
Die Zeiten des Jahres, ob warm oder kalt,
Die Menschen nicht minder, ob jung oder alt.

Die Welt schien mir golden, ein Lustparadies,
Das Leben so leidlos, so wonnig, so süß,
Nicht schrecklich sein Ende, ein Aufgeh'n so sanft,
Denn säumten nicht Rosen am Grabe, den Ranft?

Das war meine Jugend, - und jetzt bin ich alt.
Es braucht ja zu dem nicht der Jahre Gewalt:
Erfahrung, Enttäuschung, ein grübelnder Sinn,
Ein klein wenig Schuld, und die Jugend ist hin.

Was böte Ersatz noch, was bringt sie zurück?
Wohl sagen mir manche, die Liebe sei Glück.
O schwiegen sie doch von der Liebe, dem Leid!
Sie war's ja, die mich von der Jugend befreit.

(Emerenz Meier 1874-1928, deutsche Schriftstellerin)

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