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Ganymed

Schönes Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe mit einer Interpretation,
sowie Links- und Bücher-Tipps.


Ganymed

Wie im Morgenglanze
Du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
Sich an mein Herz drängt
Deiner ewigen Wärme Heilig Gefühl,
Unendliche Schöne!

Dass ich dich fassen möcht
In diesen Arm!

Ach, an deinem Busen
Lieg ich, schmachte,
Und deine Blumen, dein Gras
Drängen sich an mein Herz.
Du kühlst den brennenden
Durst meines Busens,
Lieblicher Morgenwind!
Ruft drein die Nachtigall
Liebend nach mir aus dem Nebeltal.

Ich komm, ich komme!
Wohin? Ach, wohin?

Hinauf! Hinauf strebt's.
Es schweben die Wolken
Abwärts, die Wolken
Neigen sich der sehnenden Liebe.
Mir! Mir!
In euerm Schosse
Aufwärts!
Umfangend umfangen!
Aufwärts an deinen Busen,
Alliebender Vater!

(Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832, deutscher Dichter)

Entstehung: 1774 oder 1784.



Eine Interpretation
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In der Epoche der Sturm und Drang Zeit entstand dieses schöne
Gedicht von Goethe. Eine Hymne an den Frühling, an die Natur,
an die Liebe.

Sturm und Drang, eine Zeit in der Naturschwärmereien sich in
der Poesie vermählten, wo das Einswerden mit der Natur und
das Aufgehen im Ganzen, im Göttlichen als Ideal galt.

Dieser andrängende Frühling, der von Goethe beschrieben wird
in Ganymed, wie stark drängt er in ihm? Er schmachtet, kühlt
sein Verlangen in der Natur.

Er kann sich jedoch nicht abkühlen, die Nachtigall ruft drein,
ruft ihn aus dem Nebeltal, aus der Verwirrung, die der Frühling
mit ihm anstellt.

Die Nachtigall, die den Frühling ankündigt und Symbol der Liebe
ist, der Liebenden, des Dichters und Gottsuchers.

Irgendetwas möchte hinauf, aufwärts an den Busen des alliebenden
Vaters. Da ist ein Drängen spürbar, das sich durch das ganze
Gedicht zieht. Ein Nähe suchen, umschlossen sein, sich getragen
fühlen - ein Drängen hin zum Göttlichen.

Doch da scheint ein Kampf zwischen Himmel und Erde im
Gang zu sein. Es neigen sich Wolken der sehnenden Liebe.

Die Wolke, die für Regen, Fruchtbarkeit und Gewitter steht,
ohne die kein Frühling blühen und knospen kann.

Wird es in ihrem Schoss ein Ankommen geben?




Ganymed - Begriff aus der Mythologie

Ganymed, nach der griechischen Mythologie
ein Jüngling von grosser Schönheit, den Zeus
durch einen Adler rauben und zum Olymp
tragen liess, wo er, in ewiger Jugend blühend,
das Amt des Mundschenks versah.


(© Interpretation von Monika Minder)



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Ganymed
Text und Quellen auf Wikisource.

Goethe Analyse Ganymed
bei Norberto 42.





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