Wie Silberblumen stehen
Die Sterne zitternd hoch im heitren Blau.
Im sanften Windeswehen
Säuseln die Sträucher
schwer vom nächt'gen Thau.

(Cesare Rossi, 1852-1927)

Gedichte

Lyrisches, Poetisches, schöne Gedichte über Gott und die Welt. Zum Geburtstag, für Mutter, über die Liebe, das Leben, die Freundschaft... Kurze und lange Gedichte zu Weihnachten, Neujahr, zu jeglichen Jahreszeiten und Anlässen von vielen Autoren aus verschiedenen Epochen und Kulturen. Schöne und kurze Reime und Verse für jung und alt.

Jetzt, wo der rote Mohn sich über die Gräser erhebt

Jetzt, wo der rote Mohn sich über die Gräser erhebt
und die Tage lang sind wie drei Nächte,
die Blätter im Wind zittern und Gewitter grollen;
jetzt, die alten Lieder spielen und sich bis
die Wolken still liegen und die Nacht den Boden
befeuchtet von einem hingehauchten Moment,
den man Glück nennen könnte, ergreifen lassen.

(© Monika Minder)

Die müssen beide füreinander sein

Wo ich zwei Bäume sah, mit ihren Zweigen
So hold verschränkt und still vertraut und nah',
Wo ich zwei Wölkchen mit des Tages Neigen
Am Abendhimmel rot erglühen sah,
Wo ich zwei Glocken hört' harmonisch klingen,
Zwei Vöglein locken hört' im stillen Hain;
Da mußt' ich stets mit Meister Goethe singen:
Die müssen beide für einander sein.

Und wir, wir wandelten zum Lindenpaare -
Zwei Wölkchen glühten über'm Laubengang,
Zwei Glocken summten durch die Luft, die klare,
Zwei Finken schmetterten im Wechselsang.
Du warest still zur Rasenbank gesunken
Und ich umschlang so kühn den Nacken Dein -
Wie zornig warst Du! Doch ich jauchzte trunken:
Wir müssen beide für einander sein!

(Martin Anton Niendorf, 1826-1878, deutscher Schrftsteller)

Abschied nehmen

Abschied nehmen, vom Jahr,
wo die Welt aus den Fugen
und wir mittendrin.
Du blühtest und welkst...
wohin es geht,
wir wissens nicht.

(© Milena A.L.)

Mädchenlust

Frei bin ich, frei bleib' ich
Und lieben thu' ich nie,
Sie nennen mich Alle
Die schöne Marie.
Schöne Marie! süße Marie!
Mariechen jung dort und hier,
Und bieten Blumen
Und Küsse mir.

Und dank' ich, und sprech' ich:
Küssen thu' ich nie!
Da seufzen die Bursche
"Du spröde Marie!"
Spröde Marie! stolze Marie!
Mariechen jung hier und dort,
Ich aber lache
Und laufe fort!

O wär' ich ein Knabe!
Ich fragte nicht: Wie?
Und wüßte zu kosen
Mit jeder Marie.
Braune Marie! blonde Marie!
Mariechen jung dort und hier,
Und kehrte niemals
Wieder zu ihr!

(Otto Banck, 1824-1916, deutscher Publizist, Schriftsteller)

Dankbarkeit

Heute nehm ich deine zwischen meine Augen
und lasse das Glück aus dem Himmel fallen.
In allen Dingen füllt sich Dankbarkeit
und neu und offen bleibt das Jahr.

(© Beat Jan)

Das Auge der Geliebten

Warm und sternenhell war die Frühlingsnacht,
Aus dem Fenster schauten wir die Pracht,
Lieber doch an ihren Augen sinnig
Hingen meine Blicke lang und innig.

Und in lieblicher Verwirrung drauf
Senkte sie den Blick und wies hinauf
Nach der tiefen blauen Himmelsferne:
"Sieh, wie helle funkeln heut die Sterne!"

Und ich nahm sie lächelnd bei der Hand,
Blickt' ihr in die Augen unverwandt:
"Laß, mein Kind, mich freuen keine Sterne
So, wie Deine frommen Augensterne".

Nieder schlug sie holdverschämt den Blick,
Ging und brachte mir ein Blatt Musik:
"Komm und laß einmal uns singen wieder
Unsre lieben alten Maienlieder!"

Und ich nahm sie lächelnd bei der Hand,
Blickt' ihr in die Augen unverwandt:
"Nein, Geliebte, mehr als alle Lieder,
Freu'n mich Deine sanften Augenlieder."

Und ein leis Erröten holder Scham
Glühend ihre Wangen überkam,
Ging und brachte dar die Abendgabe,
Eine Goldorange mir zur Labe.

Und ich nahm sie lächelnd bei der Hand,
Blickt' ihr in die Augen unverwandt:
"Dank', mein Kind, mehr, als Italiens Apfel,
Labet mich Dein blauer Augenapfel.

Sorge nicht, hab' nimmer Langeweil',
Wenn bei Dir ich lange, lange weil':
Das sind meine liebsten Augenblicke,
Wenn ich Dir nur in die Augen blicke."

(Adolf Stöber, 1810-1892, elsässischer reformierter Geistlicher und Schriftsteller deutscher Sprache)

Vergiss-mein-nicht

Noch funkeln Sterne und locken
tänzelnd mit ein paar Schneeflocken.
Es fliesst ins Herz ein warmes Licht
VERGISS - MEIN - NICHT.
Bald tanzen Blütenflocken
und wir gehen barfuss ohne Socken.

(© Jo M. Wysser)

Verlöschende Sternschnuppe

Ein Stern tät wunders sich verglimmen
in der tiefen Nacht.
Was künden jene holden Stimmen,
Heil sei uns gebracht?

Wir hörenʼs nicht, wir blickenʼs nimmer.
Es blitzt und braust die Nacht.
Das taube Herz hat keinen Schimmer.
Lose Zunge lügt und lacht.

Ein Flat-Screen tät noch leise flimmern
in der tiefen Nacht.
Man hört von Ferne leises Wimmern –
Kindlein ist erwacht.

(© Detlev Wilhelm Klee, Frankfurt am Main)

Text hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Detlev Wilhelm Klee. Quelle: www.luxautumnalis.de

So im Gehen

So im Gehen und schlichter werden,
allmählich sich entfernen von Schein
und sich tiefer fühlen und erden,
mit Idee und Erfahrung verbindend sein,
und in diesem Unbeirrten nicht ruhn,
weil teilnehmend und mitmachend
sich Blumen und Worte auftun;
so allmählich erwachend.

(© Monika Minder)

Gemeinsam

Gemeinsam auf dem Bänklein
so Hand in Hand und in Gedanken,
und mit der Sonne ins Gesicht hinein
zärtlich gesinnt dem Tag danken.
Völlig wunschlos im Einfachen,
nur ab und an ein scheuer Blick,
ein Anlehnen, ein Lachen,
weil das Herz Freude braucht,
und Glück.

(© Hanna Schnyders)



blauer Himmel mit Wolken

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Bild-Text

In der Natur trifft sich das Auge des Himmels in seiner ganzen Tiefe.

(© M.B. Hermann)

Leichte Süsse

Leichte Süsse wippt sich in die Fäden.
Die Sonne rollt die Knie ein, wie wenn
sie sich ins Bett verziehen möchte.
Derweil wirbeln Blätter wie auf Rädern
durch Strassen und zeigen, wo's lang,
und was bald zu Ende geht.

(© M.B. Hermann)

Träume

Wir haben einige Träume am Ende des Jahres
zu denen fast alles passt. Sogar die Sterne,
die Bäume, der Wind, die Blumen - die Blumen
denken wir: Wer sorgt für Wasser, wer für Liebe?
Der Schnee hat sie nicht zugedeckt.

(© Monika Minder)

Mich vertausendfältigt

Was auch Sonne, Mond und Sterne gewollt,
sie haben mir Jubelstrahlen zugerollt.
Du, ja Du, hast mich vertausendfältigt
mich mit deiner Liebe überwältigt.
Wie sag ich's nur in meinem Entzücken,
Wunder Du, Du meine Brücke.

(© Hanna Schnyders)

Wie ein Stern

Ich bin wie ein Stern
und kann das Leuchten
kaum glauben
und das Fliegen
in ein sanftes zu Hause.

(© Monika Minder)

Weil du

Weil du den Boden zum Himmel machst,
der seine Wolken kennt,
weil du dein Herz öffnest,
weil du lachen kannst,
weil du die richtigen Worte ernst nimmst,
weil ich durch dich entstehe
und werden kann, was ich bin,
liebe ich dich.

(© Beat Jan)

Zurechtkommen

In einer modernen Welt zurechtkommen, mit sich selbst und mit anderen, mit all den alten und neuen Gefühlen, mit bereits Erfahrenem, Erlittenem, mit dem, was gerade ansteht, und was man sonst noch alles sollte. Seinen Ort finden in all dem inneren und äusseren Chaos und wieder zu träumen wagen, weil Träume Raum bieten, sich selbst besser kennen und spüren zu lernen.

(© M.B. Hermann)

Anfang

Die Sonne steht mit den Hühnern auf,
Tautropfen silbern auf der jungen Landschaft.
Noch zeichnet sich eine hinhaltende Stille in die Blätter
und verwunschene Träume sprechen von Ewigkeit.
Die Schönheit des Sukzessiven -
Das muss der Anfang sein.

(© Monika Minder)



lila Malerei

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Bild-Text

Im Innehalten lernen wir ausruhen und gelassen sein, lernen wir Halt spüren und Sicherheit.

(© Beat Jan)

Es wäre leicht

Es wäre leicht, ich könnte fliegen
wie ein kleiner Schmetterling
und auf schönen Blumen wiegen.
Ja, fliegen, und es würde leicht
wie ein kleiner Wind im Frühling
und mit den Bäumen baumeln, vielleicht.

(© M.B. Hermann)

Wege leben

Wege leben
Blicke suchen
Sehnen, streben
Träume buchen.

(© Jo M. Wysser)

Nach den Sonnenstrahlen

Es blühen Blumen noch und andere Arten.
Langsam greifen wir nach den Sonnenstrahlen,
verbringen die Zeit mit Warten und prahlen.
Wir schicken die Hunde, auch Katzen, los
und werden mit dem matten Blick in die Ferne
immer schöner unter all den jungen Sternen.

(© Beat Jan)


orange Blume

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Bild-Text

Wo's lebt, brennen Sterne.

(© Monika Minder)

Hoffnung

Küssend
sind Bienen
und Blumen.

Leise
das Warten
bis zur Ernte.

Dazwischen
Gewitter
und Regenbogen.

Manchmal
ein Funken ...

(© Monika Minder)

Löwenzahn-Mann

Jetzt streckt er wieder seinen gelben Schopf
in den Himmel, dieser lustige gelbe Mann,
und steckt einem mit seinem zottligen Kopf
total zum Lachen an.

Und dann durchwühlt auch noch der Wind seine Frisur,
nach links und nach rechts, nach oben und nach unten.
Doch der Löwenzahn mag diese wilde Natur,
er macht auch im Sturmgebraus eine zottlig gute Figur.

(© Hanna Schnyders)

Wenn der Tag erwacht

Tritt ein in diesen Tag. Noch glänzt Tau.
Im Garten nicken gelb die Sonnenblumen,
aber auch das Rot des Mohns hat sein Volumen.
Durch die Morgenstille singt ein Mau
schwanzerhoben ein Begrüssungsritual.
Bäume beschatten das grelle Licht.
Die Leere ist nur das Eine.
Zu viele Dinge haben kein Gesicht
und Liebe will nur Weile.

(© M.B. Hermann)

Unbekanntere gemeinfreie Gedichte aus verschiedenen Kulturen

Sie konnten zusammen nicht kommen

Auf beglänzten, lilienweissen Räumen
Schrittest Du in einem Feierkleid,
Schrittest leise und in stillen Träumen,
Und die Träume waren mir geweiht.

Von dem Himmel flossen goldne Strahlen
Und verklärten Dein Madonnenhaar,
Und ein Düften kam aus allen Talen,
Das war wie die Sehnsucht wunderbar.

Und Du schrittest, ohne Dich zu wenden,
Immer weiter durch das Sonnenlicht.
Und ich rief Dich mit gerungenen Händen,
Aber Deine Augen sahn mich nicht.

Meine Füsse durften sich nicht regen,
Und Dein Glaube war, zu mir zu gehn.
So verlorst Du Dich auf fernen Wegen,
Und das war auf Nimmerwiedersehn.

Langsam ist des Tages Glanz geschwunden,
Raunend zieht die blaue Nacht herauf -
Reicher blühen meine Wunden
Mit den Liliendüften auf . . .

(Hans Bethge, 1876-1946, deutscher Dichter)

Keiner kann die Lieb zerstören

Tue einer, was er tun will,
Keiner kann die Lieb' zerstören;
Sage einer, was er wolle,
Liebe kann er nicht zerbrechen!
Liebe ist ein großes Wesen,
Würde fliegen, hätt' sie Flügel.

(Rumänisches Liebesgedicht aus der Bukowina)

Segnender Abschied

Ich sehne mich nach deiner jungen Nähe,
Und deinen Worten, die so leise fallen
Wie Schleier, wenn sie über Wunden wallen . . .
Oh daß ich deine Augen stählern sähe,

Und steil den Nacken, kampfbereit und jähe,
Und daß ich dich die feinen Hände ballen,
Die aderblauen, um den Schwertgriff krallen,
Dein Haar im Sonnenwinde fliegen sähe . . .

So jung und frei in Pracht und Überschäumen
Warst du vor mir an einem einz'gen Tag . . .
Und stehst nun so in allen meinen Träumen.

Nun deine kranke Liebe ganz erlag,
Seh ich zurück nach diesem Herrscherbäumen,
Daß ich in Armut nicht ertrinken mag. -

(Elisabeth Braunhoff, 1917)

Ich denke dein

Ich denke Dein!
Ob auch getrennt in weiter Ferne,
Ist meine Seele stets bei Dir;
Im Morgenroth - beim Glanz der Sterne,
Seh' ich Dein holdes Bild vor mir,
Und bei des Mondes Silberschein
Gedenk' ich Dein.

(Amalie Krafft, 1778-1852, dänische Autorin)

Erste Strophe aus dem gleichnamigen Gedicht.

Das Herz

Wie liegst Du da so märchenhaft
Und strahlst in Deiner Zauberkraft,
Du herrliche Natur!
Ach, könnte ich ergründen
Und könnte finden
Deines Zaubers Spur!
Ich seh' das Meer und hör' das mächtige Brausen,
Vernehme stumm des starken Windes Sausen,
Seh' wiederum der Sonne lieblich Licht.
Ich hör' die Vögel, hör' der Räume Rauschen,
Muß andachtsvoll des Waldes Stimme lauschen,
Doch das geheime Wirken kenn' ich nicht.

Wie bist Du sturm- und sonnenreich,
Wie bist Du klein und göttergleich,
Du Herz, wie die Natur.
Wer könnte Dich ergründen?
Wer könnte finden
Deines Zaubers Spur?
Ich fühle selbst die Folgen der Gedanken,
Den wilden Thatendrang, das bange Schwanken,
Wie ein Begriff sich schon am nächsten bricht;
Bald schmerzt der Mißerfolg im steten Kriege,
Bewund're bald des Herzens hohe Siege,
Doch das geheime Wirken kenn ich nicht.

(Ilse von Stach, 1879-1941, deutsche Schriftstellerin)

Für dich

Für dich schmück' ich und binde mein Haar
Mit duft'gen Blumen, für dich allein,
Deinen sanften Tadel fürcht' ich nur,
Deine Lieb' ist all' mein Sein.

Für dich putzt mich mein schönstes Kleid,
Einfach und nett, für dich allein,
Kein and'res Auge soll in der Stadt
Sich mir in Liebe weihn.

Für dich stimm' ich der Lauten Klang,
Sonst wär' sie stumm, allein für dich,
Für die Biene ist des Juni Hauch
Nicht das, was du für mich.

(Frances Sargent Osgood, 1813-1850, nordamerikanische Dichterin)

Mein Leben, meine Lust...

Mein Leben, meine Lust, mein Liebstes mein Vergnügen,
Mein alles was mein Herz vor liebenswürdig hält,
Freund dessen Treflichkeit, den höchsten Grad erreichet:
So spricht dein falscher Mund, wenn ich im Zimmer bin.
Ich habe kaum das Schloß von deiner Thür in Händen,
So siehst du mich erfreut und munter von dir gehn.
Jedoch die Scene nimmt itzt ein betrübtes Ende:
Ich habe dich mein Kind, nur bloß zum Scherz geküßt.
Man merket allzufrüh wie deine Kreide schreibet.
Ein jeder Spaßgalan wird von dir angehört.
Dein nie gebundnes Herz kann sich allzeit verschenken;
Du liebst und weist selbst nicht was wahre Liebe heißt.
Mit einem solchen Schatz mag ich mich nicht verbinden
Der einzig den Bestand im Unbestande sucht.
Hier hast du Herz und Hand mit schönstem Dank zurücke.
Die Freyheit wird dir auch mit selbigem geschenkt.
Nun kannst du Filidorn zu deiner Lust erwehlen.
Vielleicht daß deine Kunst bey ihm mehr Glauben hat.
Ich gönne dir und ihm die Lust, den Scherz, die Freude.
Nur denke nicht an mich, wenn ich entfernet bin.
Du marterst dich umsonst, ich komme nicht zurücke.
Ich reise ganz getrost nach meiner Vaterstadt.
Ein Mädchen solcher Art, darf man nicht lange suchen;
Nach solchen geh ich nicht; ich liebe mit Vernunft.
Drum magst du dich ja nicht auf meine Gunst berufen;
Mir ekelt wenn man mir nur deinen Namen nennt.

(Christiana Mariana von Ziegler, 1695-1760, deutsche Schriftstellerin zur Zeit der Aufklärung)

16. Gedichte; Als er sich über ihre Untreue beklagete und Abschied nahm in reimlosen Versen

Bekannte klassische gemeinfreie Gedichte

Nimmersatte Liebe

So ist die Lieb! So ist die Lieb!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
Mit eitel Wasser füllen?
Und schöpfst du an die tausend Jahr,
Und küssest ewig, ewig gar,
Du tust ihr nie zu Willen.

Die Lieb, die Lieb hat alle Stund
Neu wunderlich Gelüsten;
Wir bissen uns die Lippen wund,
Da wir uns heute küßten.
Das Mädchen hielt in guter Ruh,
Wie's Lämmlein unterm Messer;
Ihr Auge bat: nur immer zu,
Je weher, desto besser!

So ist die Lieb, und war auch so,
Wie lang es Liebe gibt,
Und anders war Herr Salomo,
Der Weise, nicht verliebt.

(Eduard Mörike, 1804-1875, berühmter deutscher Lyriker)

Wenn dir Melodien

Wenn dir Melodien
Liebe Stunden wiederbringen,
Laß mit freien Schwingen
Deine Sehnsucht ziehn.

Nimm das Glück wie einst,
Das dir Träume gütig spinnen,
Laß die Tränen rinnen,
Wenn du weinst.

Birg nicht Lust noch Gram.
Nur der Reine fühlt aufs Neue.
Steht doch Herzenstreue
Über aller Scham.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, eigentlich Hans Bötticher, deutscher Lyriker, Erzähler)

> mehr Ringelnatz Gedichte

Neue Liebe, neues Leben

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles, was du liebtest
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh -
Ach, wie kamst du nur dazu!

Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen läßt,
Hält das liebe, lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muß in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Verändrung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! laß mich los!

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832, deutscher Naturforscher, Dichter)

> mehr Goethe Gedichte

Ich will dich leise leiten

Bist du so müd? Ich will dich leise leiten
aus diesem Lärm, der längst auch mich verdroß.
Wir werden wund im Zwange dieser Zeiten.
Schau, hinterm Wald, in dem wir schauernd schreiten,
harrt schon der Abend wie ein helles Schloß.

Komm du mit mir. Es solls kein Morgen wissen,
und deiner Schönheit lauscht kein Licht im Haus ...
Dein Duft geht wie ein Frühling durch die Kissen:
Der Tag hat alle Träume mir zerrissen, -
du, winde wieder einen Kranz daraus.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Schrifsteller)

Geburtstagsgedichte

Für jeden Geburtstag, sowie Sprüche und Wünsche für Gratulationen und Glückwünsche. Eine tolle Sammlung.

Kinderlyirk

Lustige und ernste Gedichte, Verse, Reime und Sprüche. Für gross und klein, für die Schule, den Kindergarten, für Lieder oder einfach so.

Herz Seele Liebe Leid Gedichte und Sprüche

Einfühlsame Poesie und Lyrik, moderne Gedichte sowie klassische bekannte und unbekannte aus verschiedenen Kulturen und Epochen.

Kurze Unterrichtseinheit Lyrik

Texte, Medien und Material, geeignet für Mittelstufe.

Kinderlyrik Wikipedia

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