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Gewonnene Einsicht

Schönes Gedicht von Betty Paoli und andere Gedichte von der österreichischen
Lyrikerin, sowie Links- Bücher- und Geschenk-Tipps.


Gewonnene Einsicht

Wähne nicht, dass in dem Weltgewühle
Je ein Herz, so wie das deine fühle,
Dass ein zweites folge deiner Spur!
Wähne nicht im sehnenden Umschlingen
And'rer Wesen also durchzudringen,
Dass es mit dem deinen Eines nur! —

Einsam bist du, ob die bunte menge
Rühmend oder tadelnd dich umdränge,
Einsam in dem Kampf' wie in der Ruh',
Einsam bei der Freunde Scheinerbarmen,
Einsam selbst in deiner Liebsten Armen,
Denn sie Alle sind nur sie, nicht du! —

Eine Stelle wird es ewig geben,
Wo der Riss, der hin durch aller Leben
Trennend geht, aufklaffen wird im Sprung'!
Eine Stelle, wo du bang', mit Schrecken,
Nacht wirst sehenihre Augen decken,
Und du hoffst noch auf Vereinigung? —

Meinst du, jenes dunkle, formlose
Etwas sei der Dorn nur an der Rose,
Flücht'ger Missklang, der bald ausgebebt?
Nein! als unvertilgbares Erinnern
Wird's zum Gift, das heimlich aus dem Innern,
Glck und Frieden tödlich untergräbt!

Lerne d'rum aus ihrem Kreis verschwinden,
Dich in deiner Brust zurechtefinden,
Lerne du dein eig'ner Freund zu sein!
Was sie dir an Treu' und Huld versprechen,
Unwillkürlich werden sie es brechen,
Denn des Lebens Losung heisst: Allein! —

(Paoli Betty 1814-1894, österreichische Lyrikerin, Novellistin)




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Geisterspuk


Woher das räthselhafte Grauen,
Das nächtig meine Seele trübt?
Muss ich die Seele dessen schauen,
Den ich so tief, so heiss geliebt!

Es ist nicht Schmerz, daß nun zerrissen
Das festgeschlungne Seelenband,
Und daß ich muss im Dunkel missen
Die liebgewohnte Führerhand!

Noch ist's das ungestüme Sehnen
Der mitleidslos verlassnen Braut,
Die unter Strömen heisser Tränen
Zurück auf schön're Tage schaut.

Die holden Täuschungen beschränken
Mir nicht mehr den erloschnen Blick;
Mit kaltem Lächeln kann ich denken
An früh're Zeiten und ihr Glück.

Und dieses ist's, was trüb und traurig
Durch meine tiefste Seele geht,
Und wie ein Hauch des Todes schaurig
Um meine bleiche Stirne weht:

Daß dieser Blick, der einst entzündet
In mir dämonisch wilde Lust,
Nun nichts als todte Asche findet
In meiner ausgebrannten Brust;

Dass die melodisch süsse Rede,
Der einst ich lauschte wonnerschreckt,
In meiner Seele Wüstenöde
Kein freudig Echo mehr erweckt;

Dass ich diess Bild, deß Schönheitsprangen
Mich einst durchflammt mit trunknem Wahn,
Nun ohne Wunsch, ohne Verlangen,
Mit eis'gem Ernst betrachten kann.

Dass wie ein leiser Klang der Leier
Schwand, was unsterblich ich geglaubt,
Das wirft den dunkeln Nonnenschleier
Auf mein dem Schmerz verfallnes Haupt!

O welche Macht der Erde schriebe
In's Herz mir noch den sel'gen Schwur,
Seit ich die Sterblichkeit der Liebe
Vernichtet an mir selbst erfuhr!

Ich fühl' es: zwischen mich und Jeden,
Den heiss die Sehnsucht zu mir reisst,
Drängt sich mit höhnisch bittern Reden
Der abgeschiednen Liebe Geist.

(Paoli Betty 1814-1894, österreichische Lyrikerin, Novellistin)




Melancholie

So ist denn Alles hingeschwunden
Als wie ein schnell verklungner Laut!
Die Zeit hat über schön're Stunden
Ihr Pyramidengrab erbaut.

Die heitern Strahlen sind erblichen,
Die meiner Jugend Pfad erhellt,
Die Schmerzen, die einst Wonnen glichen,
Sie zeigen sich nun unverstellt.

Und wie ein Schiff auf fremden Meeren
Der Wuth der Wogen preisgestellt,
So schiffet unter blut'gen Zähren
Mein Herz durch's Wogenmeer der Welt.

Und wie auf hohem Felsenthurme
Die Möwe ihre Rettung sucht,
So lenket im Gedankensturme
Mein Geist zu dir hin seine Flucht;

Und klagt mit Tönen schmerzgebrochen
Wie ewig theuer du mir bist,
Und spricht es aus, was ich verbrochen
Und nennt dir auch, wie ich gebüsst.

Dass ich noch lebe, sagt mein Leiden,
Dass ich dich liebe, sagt mein Schmerz,
Dass schwer ich büsse, sagt mein Scheiden,
Dass ich dein würdig, sagt mein Herz.

(Paoli Betty 1814-1894, österreichische Lyrikerin, Novellistin)


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